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Tradition

Das Zimmererhandwerk ist ein Jahrhundert altes Handwerk.

Mit Föllaxt und Breitaxt beschlug der Zimmermann den Baumstamm zu einem vierkantigen Bauholz. Der Abbund, das Zurechtschneiden der Hölzer und Anbringen der Holzverbindungen, geschah dann auf dem Zimmerplatz. Vom Fällen der Fichte im Walde bis zum Aufrichten des Dachstuhles, einschließlich der Dacheindeckung, war alles Arbeit des Zimmermanns. Auch der Innenausbau eines Holzhauses wie Treppenbau, Täfelung, Verlegung der Fußböden und selbst das Herstellen von Fenstern und Türen wurde und wird noch oft von ihm erledigt.

  1. Der Zimmermann
  2. Die Zimmermannstracht
  3. Die Wanderschaft
  4. Gaben statt Lehrgeld
  5. Das zünftige Richtfest
  6. Der Richtspruch
  7. Zimmermannslieder
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1. Der Zimmermann

Der berühmteste Vertreter des Berufsstandes findet sich in der Bibel: Es handelt sich um Joseph, denn Jesus wuchs bekanntlich im Haus eines Zimmermanns auf. Den Beruf des Zimmermanns oder Zimmerers gibt es allerdings schon weitaus länger. Davon legen die Pfahlbauten Zeugnis ab, die bereits im Altertum bekannt waren. In dieser zeit oblag dem Zimmermann nicht nur die Ausführung des Baues, vielmehr vereinte er die Funktion von Architekt, Baumeister und Werkmeister in seiner Person.

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2. Die Zimmermannstracht

Bei keinem Bauhandwerk ist die Tradition der Kleidung so ausgeprägt wie beim Zimmermann. Ihr Anzug bestand seit jeher aus schwarzem Manchestersamt, die Hosen erweiten sich nach unten und verfügten über einem breiten Schlag. Der kurze Rock hatte ebenso Perlmuttknöpfe wie die weit ausgeschnittene Weste über einem weißen, kragenlosen Hemd. Dazu trugen die Gesellen einen breitrandigen Filzhut, den sie auch auf der Baustelle nur selten ablegten. Diese Sitte hatte einen praktischen Grund: Der gro0te Hut schützte den Zimmermann vor der prallen Sonne.

Zahlreiche Kleidungsstücke der Zimmerleute hatten eigene Namen. Der Hut hieß "Obermann", das schmale Krawattenbande des Hemdes "Ehrbarkeit". Den dicken, gewundenen Stock, mit dem die Zimmerer auf die Wanderschaft gingen, nannten sie "Stenz". Die Kleidungsregeln waren überaus streng: wer ohne Hut oder Halsbinde auf der Straße angetroffen wurde, musste sein Fehlverhalten bei der nächsten Versammlung öffentlich rechtfertigen.

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3. Die Wanderschaft

Früher begaben sich die Gesellen nach ihrer Gesellenprüfung auf eine dreijährige Wanderschaft, um in der Ferne bei anderen Meistern zu arbeiten und ihre Fertigkeiten zu vervollständigen. Dabei durften sie sich ihrem Heimatort nur bis auf 50 Kilometer nähern. Notfälle wie schwere Krankheiten in der Familie ausgeschlossen. Teilweise wird dieser Brauch auch heute noch praktiziert. So kann man hin und wieder einem zünftig gekleideten Zimmerergesellen mit geschnürtem Bündel begegnen.

Zimmerermänner auf der Wanderschaft führten über der linken Schulter das Felleisen mit sich. Oft hatten sie das komplette Bundesgeschirr (Bund- und Stichaxt, Stemmeisen und Klöppel) sowie eine Handsäge bei sich. Auf der Schulter trugen sie zudem eine Reisetaschse, die aus einer Art Rolle bestand, auf die der Name des Zimmerers gestickt war.

Auch für die Arbeitssuche gab es feste Regeln. Der Geselle nahm die Reisetasche ab und breitete ein rotes Tuch über ihr aus. Den Stock knöpfte er unter dem Rock ein. Dann klopfte er dreimal kräftig an die Tür des Meisters. Das folgende Frage- und Antwortritual war genau festgelegt:

"Mit Gunst und Erlaubnis. Ist der löbliche Hauszimmermeister zu sprechen?" - "Der bin ich." - "Mit Gunst und Erlaubnis. Einen freundlichen Gruß vom ehrbaren Zimmerermeister, bei dem ich sechs Wochen in Arbeit gestanden, von der Frau Meisterin und Jungfer Schwester, auch von allen in Arbeit stehenden Nebengesellen, ingleichen den fremden Gesellen sowie dem ganzen ehrbaren Zimmermannshandwerk in der Königlichen Residenzstadt an den ehrbaren Meister, die Frau Meisterin und Jungfer Schwester, auch an alle hier in einer freien Reichs- und Handelsstadt in Arbeit stehenden Gesellen und das ganze ehrbare Zimmermannshandwerk allhier, und will ich, der gegenwärtige Zimmergesell, den ehrbaren gefällig ist, nach Handwerks Brauch und Gewohnheit." - "Ich sage schönen Tag", erwiderte der Meister. Sofern er den Gesellen zur Arbeit nahm, musste dieser sich bei den Altgesellen im Ort melden und ins Gesellenbuch eintragen lassen.

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4. Gaben statt Lehrgeld

Der Zimmermann gehörte im Mittelalter zu den gefragtesten Arbeitskräften. Nur selten musste für die Ausbildung Lehrgeld bezahlt werden. Oft war vielmehr der Lehrherr zu vielfältigen Leistungen verpflichtet.
Im 15. Jahrhundert betrug die Lehrzeit oft drei Jahre. Ein Revaler Meister hatte dem Lehrjungen drei Paar Schuhe sowie Hosen, Hemden und Schürzen zur Verfügung zu stellen. Am Ende der Ausbildung erhielt der Lehrjunge vom Meister das komplette Zimmermannswerkzeug: Zimmerbeil, Axt, Spitzbohrer, Hobel und Schnur sowie laut Zunftordnung "Van allen Dingen en". Entsprechen diese Dinge nicht den Erwartungen des Lehrjungen, konnte er dagegen protestieren und die Angelegenheit vor die Ältesten der Zunft bringen. Diese entschieden, ob der Meister rechtens gehandelt hatte oder ob er zur Nachbesserung verpflichtet war.

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5. Das zünftige Richtfest

Zum Richtfest hat der Bauherr eingeladen. Dem Kreis der Gäste und Teilnehmer gehören an: Bauleute, die bislang am Bau tätig waren, Meister, Gesellen, Lehrlinge und Helfer, Architekt und Bauleiter sowie der Bauherr mit Angehörigen. Das Richtfest ist nach wie vor das ureigene Fest der Werkleute. Die Festteilnehmer versammeln sich vor dem Bauwerk, Falls der Richtkranz noch nicht den First krönt, nehmen die Zimmerleute jetzt den geschmückten Richtbaum in Empfang, um ihn als dann mit kräftigen Schlagen auf den First zu setzten. Er beschwört das Glück für den Bau. Auf dass es alle schütze, die gehen ein und aus.
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6. Der Richtspruch

Richtsprüche entstanden im Mittelalter mit dem Aufkommen der Zünfte und damit des separaten Zimmerhandwerks. In ihnen wird die Freude über das Gelingen des Bauwerks zum Ausdruck gebracht. Man dankt Gott, lobt Handwerker und Planer vermischt mit einer gehörigen Portion Humor und Ironie.

Zum Beispiel:

Mit Gunst und Verlaub!
Ihr Lieben Leute hört mich an!
Wenn ich auch nicht gut reden kann,
so will ich den Richtspruch sprechen,
will guten alten Brauch nicht brechen.

Von aller Arbeit die wir machen,
und das sind so machen Sachen,
ist doch das Beste in unserem Fach,
den Bau zu krönen mit dem Dach.

Da hat man dann ein Werk vollbracht,
das auch dem Bauherrn Freude macht.
Und bald wird nichts mehr offen sein,
dann kann kein Regen mehr hinein.

Doch rückt die Zeit hier schon heran,
das man den Bau beziehen kann.
Dann freut man sich daran so recht,
denn nun ist´s so, wie man es möchte.
Und wird´s so, wie man es möchte.
Und wird´s erst drinnen fertig sein,
dann wird man ganz zufrieden sein.
Jetzt ist ein ganzes Stück geschafft,
und weiter geht´s mit frischer Kraft!

Gott schenke Euch allen viel fröhliche Tage!
Er gebe Euch Kraft, auch die Schweren zu tragen!
Bewahre vor Feuer und Not dieses Haus,
schütz´ alle, die gehen ein und aus!

Drauf leer´ ich mein Glas und lass es zerspringen,
die Scherben, die sollen viel Glück Euch bringen!
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7. Zimmermannslieder

Wie viele Handwerkszünfte hatte auch die der Zimmerleute ihre eigenen Lieder, die sich teilweise bis heute gehalten haben. Sie erzählen vom Arbeitsalltag und Berufsstolz der Zimmerer. Zum Beispiel:

"Der Zimmerleut Ehrenlied"

vom Beginn des 19. Jahrhunderts beschreibt Arbeitsweise und Brauchtum des Zimmermanns:
Zimmerleut sind brave Leut. Die man braucht zu aller Zeit: / Kaiser, König, Fürsten, Grafen / Können sie ja nicht entraten.
In dem deutsch und welschen Land / Ist das Handwerk wohl bekannt. / Manchen Bau tun wir ausführen. / Unser Handwerk tut florieren.

Gehen wir in grünen Wald, / Hauen Bäume jung und alt, / Messens ab, wie es der Brauch, / Schlagen dann die Schnur darauf.

Haut brav drauf der Zimmermann / Mit dem Fallheil was er kann, / Mit dem Breitbeil haut mit Fleiß / Das Zollmaße gleicher Weis

Das Bauholz ist oftmals schwer. / Heißt es: "Bringt Wendhaken her!" / Mit Klemmhaken schlägt er an: / Ist ein braver Zimmermann.

Weiht der Bauherr das Holz ein / Mit einer guten Flasche Wein, / Sind wir Zimmerleut bedacht, / Zimmern drauf bei Tag und Nacht.

Bund- und Zwergaxt zum Geschirr, / Mit der Säge schneiden wir, / Dass man sagt zu dieser Zeit: / Redlich sind die Zimmerleut

Mit dem Rötel macht ein Zeichen, / Braucht den Neper auch desgleichen. / Manches Schloss, ja manche Stadt / Hat der Zimmermann gemacht.

Zimmermann tun viel ausstehen: / Müssen schier vor Hitz vergehen, / Muss allzeit geduldig sein, / Fällt oft Kält und Regen ein.

Ach was wollt man fangen, / Wenn nicht wär der Zimmermann! / Müsste mancher bald erfrieren: /Zimmerleut den Bau ausführen.

Ich find ihres gleichen nicht. / Zimmerleut verachte nicht! / Wenn ein mancher steig so hoch, / Wird er zittern mit Loch.

Zimmerleut, die soll man ehren. / Wie die Schrift dich solchs tut lehren: / Unser Bruder Jesus Christ / Josephs Sohn gewesen ist.

Ich wünsch Euch alles zum Beschluss, / Euren Feinden zum Verdruss, / Glück und Segen auf der Welt! / Und hernach das Himmelszelt.

"Des Zimmerers Reiselied"

Wohlan, Zimmermann, schau in die Welt,
zieh wandernd durch die Länder!
Fehlt es dir an Hab´ und auch an Geld,
sie sind unnütze Blender.
Ich bin ein freier Zimmermann,
der überall hingehen kann.
Wo mir die Welt gefällt, wo mir die Welt gefällt.

Wohlan, Zimmermann, Holz her dem Glück!
Zieh auf die Hölzer alle,
richte auf den Stuhl flink Stück für Stück
mit einem kräft´gen Schalle:
Ich bin ein freier Zimmermann…

Wohlan, Zimmermann, hoch ist die Welt
Vom First zur Erde nieder.
Ist´s Richtfest bestellt und dazu das Geld,
dann singe deine Lieder:
Ich bin ein freier Zimmermann…

Wohlan, Zimmermann, hineingestellt!
Die Welt ist frei und offen
Trotz Mangel an Geld. Was der Meister freihält,
wird dann erst recht versoffen.
Ich bin ein freier Zimmermann…

Wohlan, Zimmermann, genau getan!
Geh nach Haus in deine Heimat,
Lach ein Mädchen an, das kochen kann
Und auch eine Aussteuer hat.
Ich bin ein freier Zimmermann…

Wohlan, Zimmermann, kommt´s Alter dann,
setz dich zur letzten Ruh´.
Bedeckt dich das Grab, mit dem Wanderstab
Reis´ du dem Herrgott zu!
Ich bin ein freier Zimmermann,
der auch in´ Himmel kommen kann,
wo mir´s bestimmt gefällt,
wo mir´s bestimmt gefällt
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